Ideenmanagement 2.0 – Warum Unternehmen Ideenmanagement heute neu denken und wie sie es einführen

Kennen Sie die Goldbären FAN-Edition, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 von Haribo verkauft wurde? Haribo gelang damit die bislang erfolgreichste Online-Aktion dank Crowdsourcing – das Online Ideenmanagement in Gemeinschaft mit Kunden von der Idee bis zum Verkaufshit in der Ladentheke. Hinter der Erfolgsstory steckt maßgeblich die Ideenmanagement-Software von innosabi. Wie Unternehmen auch intern von den Erfolgsprinzipien des Crowdsourcings partizipieren können, wie sich die Einführung von Crowdsourcing Tools gestaltet und auf welche kulturellen und organisationalen Veränderungen sich Unternehmen dabei einstellen müssen, darüber sprachen wir mit Vincent Aydin, Head of Business Development bei innosabi.

Interview-Reihe mit Vincent Aydin:

Vincent AydinTEIL 1: Ideenmanagement 2.0 – Warum Unternehmen Ideenmanagement heute neu denken und wie sie es einführen
TEIL 2: Crowdsourcing Tools für das interne Innovationsmanagement – Erfolgsfaktor Unternehmenskultur und die neue Rolle des Innovationsmanagers
TEIL 3: Open Innovation – Nicht nur im Consumer-Bereich ein Erfolgsgeheimnis: Praxisbeispiele aus dem B2B-Bereich

 

Ideenmanagement 2.0 – Warum Unternehmen Ideenmanagement heute neu denken und wie sie es einführen

AviloX: Immer mehr Unternehmen investieren in neue Lösungen des Ideenmanagements. Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, aufgrund derer sich Unternehmen mit modernem Ideenmanagement beschäftigen?

V. Aydin: Die Herausforderungen im Innovationsmanagement, die unsere Kunden bewegen, lassen sich sehr gut in drei Bereiche aufteilen. Erstens soll Innovationsmanagement wieder Spaß machen. Zweitens geht es um mehr Effizienz in Innovationsprozessen, das heißt die hohe Flut an Informationen soll effektiv durch passende Algorithmen kanalisiert werden, um die Qualität der Lösungsfindung zu erhöhen. Und drittens erkennen viele unserer Kunden, dass die Öffnung nach innen und außen entscheidend ist für die Qualität der Innovationsentwicklung.

AviloX: Ihre Software innosabi labs und innosabi crowd stellt Unternehmen digitale Ideenmanagement-Plattformen nach dem Prinzip des Crowdsourcings zur Verfügung. Welchen Wert stiftet Ihre Software genau?

V. Aydin: Unsere Crowdsourcing Tools setzen genau an den oben genannten Herausforderungen an. Wenn wir ein herkömmliches Betriebliches Vorschlagwesen ablösen oder verbessern wollen, brauchen wir Systeme, mit denen es Spaß macht, Ideen miteinander zu teilen. Viele Unternehmen haben bereits Systeme für den Austausch von Ideen eingeführt, aber mit wenig Erfolg. Ganz oft scheitern sie daran, dass Mitarbeiter die Technologie nicht nutzen, weil sie das Gefühl haben, sie müssten zusätzliche Aufgaben erledigen und auf Krampf Ideen produzieren. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache.

Eine Software, die das Sammeln und Generieren von Ideen unterstützt, sollte immer eine ähnliche Lust machen, wie wenn man täglich bei Facebook reinschaut. Wir setzen das daher so unterhaltsam wie möglich um. Ein Kunde beschrieb den gewünschten Effekt neulich ganz treffend: „Die Software ist bei uns eine Art digitale Kaffeeküche. Da schaue ich immer mal rein, da tobe ich mich aus oder da schreibe ich einfach Ideen nieder. Und manchmal lese ich auch gern einfach mal so mit und komme auf ganz neue Gedanken.“

Unser Anspruch ist es, dass die gesamte Organisation an diesem Ort zusammenkommt und gemeinsam arbeitet. Uns geht es weniger darum, die EINE exzellente Idee herauszufiltern und einen Wettbewerb zu schaffen, sondern darum, dass die Community gemeinschaftlich attraktive Ideen sammeln und weiterentwickeln kann. Das soll explizit eine Leistung von mehreren Personen sein.

AviloX: Ihr Ansatz steht dem heute klassischen Betrieblichen Vorschlagswesen konträr entgegen. Dort wird zumeist nicht das Teilen von Ideen belohnt, sondern der Besitzanspruch. Sind Unternehmen überhaupt reif genug für Ideenmanagement 2.0?

V. Aydin: Wir erleben deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Bei einem Vortrag in einem Chemiekonzern war beispielsweise die erste Reaktion auf das Thema Open Innovation: „Das kann bei uns doch nicht funktionieren. Das ist rechtlich ganz schwierig. Was passiert, wenn ich eine Idee einstelle, jemand anderes sieht sie und entwickelt sie weiter? Gehört mir die Idee dann noch?“ Man hat dort deutlich gemerkt, dass Vorbehalte es enorm erschweren, Wissen zu teilen.

Es gibt aber auch Unternehmen aus sehr fortschrittlichen Branchen. Diese sind in der Lage, mit der Ideenmanagement-Software intuitiv umzugehen. Man sollte sich jedoch nicht blind darauf verlassen, dass die Software alles löst. Es hängt viel von der Betreuung und Kommunikation mit der Community ab.

AviloX: Für welche Unternehmen ist modernes Ideenmanagement besonders geeignet?

V. Aydin: Wir sprechen immer häufiger mit großen Konzernen, die Digital Champions werden wollen. Sie betrachten modernes softwaregestütztes Innovationsmanagement als Baustein einer größer angelegten Innovationsstrategie. Dementsprechend sind das Verständnis und die Bereitschaft zur Nutzung von Crowdsourcing Tools recht hoch.

Das ist bei vielen Mittelständlern anders, auch bei denen, die sich durch ihre Innovationskraft in den letzten Jahren eine einmalige Position als Weltmarktführer geschaffen haben. Diese Unternehmen erkennen zwar das Potenzial von Crowdsourcing, stehen sich aber durch ihre sehr traditionellen und festen Strukturen oft selbst im Weg. Bis zur effektiven Nutzung des modernen Innovationsmanagements ist es hier noch sehr weit.

AviloX: Führen Sie Crowdsourcing für das interne Ideenmanagement 2.0 im Mittelstand und in Konzernen vor diesem Hintergrund auf verschiedene Weise ein?

V. Aydin: Wir verfügen über ein recht standardisiertes Vorgehen, welches wir auf die jeweiligen Gegebenheiten aber auch spezifisch anpassen können. Gleich zu Beginn arbeiten wir mit unseren Kunden heraus, was sie überhaupt erreichen wollen mit dem modernen Ideenmanagement. Das können sehr produktzentrierte Ziele sein, aber auch solche, die das Ermitteln der Kundenbedürfnisse in den Vordergrund stellen. Die Fragen und Methoden, mit denen wir arbeiten, sind sehr ähnlich, die Antworten darauf jedoch sehr unterschiedlich. Daher ist auch die Anpassung der Software auf den Kunden immer individuell.

AviloX: In welchen Schritten erfolgt mit Ihnen die Einführung von Ideenmanagement-Tools?

V. Aydin: Im ersten Schritt holen wir die wichtigsten Ansprechpartner an einen Tisch und klären die Ziele und Erwartungen an die Plattform. Dann entwickeln wir eine geeignete Einführungsstrategie: Starten wir unternehmensweit oder pilotieren wir erst in einzelnen Abteilungen? Laden wir die Top-Innovationstreiber ein und lassen diese dann die Mitarbeiter aus bestimmten Bereichen an Bord holen? Welche Pilotprojekte eignen sich? In welchem Zeitraum soll das ablaufen und wie soll es danach weitergehen? Diese Fragen münden dann in sehr spezifische Vorgehensweisen.

Weiterführende Links:

Homepage von innosabi

innosabi’s Buch: Crowdsourced Innovation – Revolutionizing Open Innovation with Crowdsourcing


AviloX unterstützt Organisationen im Wandel zum Enterprise 2.0. In unserem Interview-Blog zu vernetzten Arbeitswelten gehen wir mit unserem Netzwerk in den Dialog – zum Voneinander lernen, Tipps und Tricks zur Etablierung moderner Arbeitswelten austauschen und Wissen weiterentwickeln. Ob Social Collaboration, Wissensmanagement, Open Innovation, Social Learning oder Industrie 4.0 – gern begleiten wir auch Sie als kompetenter Partner auf Ihrem Weg zum Enteprise 2.0. Mehr über uns erfahren Sie hier.


Haben Sie selbst ein Thema im Zusammenhang mit Social Software, das Sie interessiert? Oder möchten Sie uns einen geeigneten Interviewpartner empfehlen? Dann treten Sie gern mit uns in Kontakt.

Bildnachweis: quique_fs / flickr.com

Ein Gedanke zu „Ideenmanagement 2.0 – Warum Unternehmen Ideenmanagement heute neu denken und wie sie es einführen

  1. Pingback: Ideenmanagement mit Crowdsourcing: Die digitale Kaffeeküche | innosabi

Die Kommentare sind geschlossen.