Vernetzte Arbeitswelten in den Augen der Generation Y

Generation Y - AviloX GmbH - Beratung für vernetzte Arbeitswelten

Im ersten Teil unserer neuen Interviewreihe rund um Fragen, Perspektiven und Ausblicke zu vernetzten Arbeitswelten sprachen wir mit dem Enterprise 2.0 Experten Andreas Schulze-Kopp über Trends und Entwicklungen von Social Business in Unternehmen. Wie aber sieht eigentlich die Generation Y die Entwicklungen von Social Business? Was sind die Erwartungen der neuen Talente? Und wie erleben sie bereits heute den Berufsalltag im Umgang mit Social Software im Unternehmen? Dazu sprachen wir diesmal mit Thomas Lerche (24). Nach seinem Medienmanagement-Studium war er zwei Jahre als Social Media Manager für die Otto Group tätig, bevor er auf die Agenturseite wechselte und seitdem als Community Manager und Social Media Marketing Berater verschiedenste Unternehmen im Social Web berät.

Entdecken Sie gemeinsam mit uns im nächsten Interview mit Thomas Lerche drei neue Perspektiven von Social Business: aus der Sicht eines Vertreters der Generation Y, eines Social Media Beraters und eines engagierten Mitarbeiters im Umgang mit den neuen sozialen Technologien.

Thomas LercheInterview-Reihe mit Thomas Lerche:

Teil 1: Vernetzte Arbeitswelten in den Augen der Generation Y
Teil 2: Social Collaboration in den Augen eines Social Media Managers
Teil 3: Social Collaboration in den Augen eines Mitarbeiters

 

Teil 1: Vernetzte Arbeitswelten in den Augen der Generation Y

AviloX: Wann und wie sind Sie das erste Mal mit sozialen Plattformen in Berührung gekommen? Wie haben Sie den Einstieg damals erlebt?

T. Lerche: Während meiner Schulzeit leitete ich eine Schülerzeitung. Als ich 2006 meinen ersten Blog eröffnete, der über die Schule berichtete, merkte ich sofort den Vorteil von (schnellen) Interaktionsmöglichkeiten mit dem Publikum, die bei der Zeitung nur sehr eingeschränkt gegeben waren. Die Kommentarfunktionen waren eine erheblich bessere Feedbackmöglichkeit als ein Briefkasten, der es zugelassen hat in der nächsten Ausgabe mit einem Leserbrief abgedruckt zu werden.

Die ersten Erfahrungen mit einem sozialen Netzwerk machte ich 2007 auf der Plattform Schueler.cc, welches Deutschlands erste und lange auch größte Community für Schüler war. Es war eine aufregende und spannende Erfahrung. Witzige Bildchen, Sprüche oder auch „geheime“ Infos beispielsweise über Lehrer und Schularbeiten mussten nicht mehr per Mail verschickt werden, sondern wurden gepostet. Im Netzwerk gab es keine Lehrer oder Eltern und dementsprechend erreichte die Plattform schnell Kultstatus.

AviloX: Wie nutzen Sie soziale Medien heute privat?

T. Lerche: Exzessiv. Ich bin so gut wie pausenlos vernetzt. Über Facebook, Twitter, Google+, YouTube, Instagram, Foursquare, Blogs, Feeds und Apps flattern pausenlos Informationen herein. Und wenn es mal kein Internet gibt, fühlt es sich wie eine Krankheit an. Die sozialen Netzwerke sind mein hauptsächlicher Kommunikationskanal und auch Informationskanal. Einen Fernseher habe ich nicht, schaue allenfalls wenige Sendungen mittels von Mediatheken. Den sozialen Netzwerken habe ich auch viel zu verdanken. Da ich schon seit vielen Jahren ein Social Media Nerd bin, verdiene ich damit heute sogar mein Geld. In meinem Alltag werden viele meiner Aktivitäten aufgezeichnet und über Social Apps veröffentlicht, etwa wann und wie weit ich joggen gehe. Wie viele Kalorien ich zu mir nehme und wo ich mich gerade aufhalte. Dennoch hat sich mein eigenes Mitteilungsbedürfnis in den Netzwerken verändert. Während ich früher alle meine Daten bedenkenlos hergab und sie möglichst noch auf allen Plattformen miteinander synchronisierte, denke ich heute zweimal nach, welche Informationen ich wo preisgebe. Wir alle wissen spätestens seit letztem Jahr, dass Datenschutz im Netz ein heikles Thema ist und mit den Daten auch Macht in andere Hände gegeben wird.

AviloX: Aktuell ist immer häufiger in den Medien zu lesen, dass die sogenannte Generation Y nicht mehr bereit ist, in Unternehmen zu arbeiten, die nicht kollaborativ vernetzt sind. Wie stehen Sie als Vertreter dieser Generation zu dieser Aussage?

T. Lerche: Sicherlich kommt es auf die jeweilige Branche eines Unternehmens oder die konkrete Tätigkeit eines Mitarbeiters an. Persönlich sehe ich viele Vorteile in kollaborativer Vernetzung. Die Frage ist, welches Unternehmen es sich in Zukunft überhaupt noch leisten kann, kein kollaboratives Wissensmanagement zu betreiben. Interne Social Media Funktionen in Berufen mit geistiger Tätigkeit sehe ich heute als notwendig an. Mit der Entstehung dieser Netzwerke im privaten Bereich haben wir gelernt, welche technischen und strukturellen Vorteile uns die Vernetzung – beim Einsatz mit klaren Regeln – bringt.

Persönlich empfinde ich Unternehmen ohne internes Netzwerk mit z. B. Messenger-Funktionen, Wissens-Management über Datenbanken mit Versionierungsmöglichkeiten, gleichzeitiges Bearbeiten von Dokumenten etc. als rückständig. Ohne dies geht Produktivität verloren. Chefs, die an Mails als einzige „Interaktion“ festhalten, kosten ihrem Unternehmen viel Geld, da meine Generation längst effektivere Kommunikationswege zu nutzen bereit ist. Persönlich gesprochen könnte ich auch in keinem Unternehmen mehr tätig sein, in dem ein Social Media Verbot besteht – egal ob intern oder extern. Mitarbeiter äußern sich nun einmal in den Netzwerken und nutzen die Funktionalitäten, die ihnen auch die Zusammenarbeit erleichtern. Dieses selbstverständliche Verhalten zu beschränken, entspricht nicht der Realität der heutigen Zeit.

AviloX: Empfinden Sie Social Software manchmal als belastend oder stressig? Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?

T. Lerche: Wie jeder Social Media Nutzer dies einmal erfährt, musste auch ich feststellen, dass die ständige Informationsflut – oft auch mit Nichtigkeiten – belastend und stressig sein kann. Hier zählt es zur Verantwortung eines jeden Mitarbeiters (wobei ich das auch in meinem Privatleben zu verantworten habe!) genau zu differenzieren, welche Kanäle und Informationen er WIRKLICH und vor allem in welcher Frequenz abrufen muss. So halte ich zum Beispiel nichts von Instant Notifications. Sie rauben uns extrem viel Zeit, da sie die Aufmerksamkeit in denkbar ungünstigen Momenten auf sich ziehen, indem sie bestehende Handlungen unterbrechen. Jeder sollte sich die Zeit, in der er entsprechende Meldungen checkt, selbst einteilen. Auch Chats müssen nicht in derselben Minute beantwortet werden. Für solche dringlichen Fälle gibt es ja das Telefon. Und auch für die Qualität meiner Streams bin ich selbst verantwortlich. Wenn ich größtenteils Nichtigkeiten lesen muss, die ich nicht sehen möchte, so ist es an mir dem über die entsprechenden Einstellungen und Filter Herr zu werden. Dies bedarf zwar auch einigem an Zeit, ist aber eine wertvolle Investition, da sich diese Zeit bei jedem Abruf eines Kanals erneut auszahlt.

 

Lesen Sie in der nächsten Woche die Fortsetzung des Interviews „Social Collaboration in den Augen eines Social Media Managers ”.

Weiterführende Links:

Make Room For Social Media In The Workplace-Generation Y Employees Are Taking Over The Workforce! by Lyndsey Ehgoetz

The Disconnect Between Aging Management and the Younger Workforce by Brian Solis

Haben Sie selbst ein Thema im Zusammenhang mit Social Software, das Sie interessiert? Oder möchten Sie uns einen geeigneten Interviewpartner empfehlen? Dann treten Sie gern mit uns in Kontakt.

Bildnachweis:  Adam Tinworth / flickr.com.

Über Regina Köhler

Gründerin und Inhaberin von AviloX. Zehnjährige Führungs- und Beratungserfahrung bei strategischen Veränderungsprozessen in Mittelstand und Konzernen. Vereinigt einen Sinn für einfache, pragmatische Lösungen mit einer Leidenschaft für technologische Trends und ausgeprägter Inspirationsgabe. Als Mutter zweier Kinder und Volleyballerin hegt sie besonderes Interesse für moderne Formen der Kompetenzentwicklung.

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