Information overload? Weniger Stress durch professionelles schnelles Lesen

Sie kennen das bestimmt: Sie sind in der Bahn unterwegs und lesen einen spannenden Artikel. Kaum haben Sie angefangen zu lesen, erhalten Sie eine Push-Nachricht: Eine E-Mail, ein neuer Beitrag aus Ihrem Unternehmensnetzwerk oder die Breaking News von SPIEGEL online. Damit Sie auf dem Laufenden bleiben, klicken Sie darauf… 10 Minuten später kehren Sie zu Ihrem Artikel zurück: Worum ging es nochmal? Und was stand eben in der Mail, die Sie zwischendrin durchgegangen sind? Mit der stetig wachsenden Informationsflut im Arbeitsalltag geht der Überblick schnell verloren, professionelles und schnelles Lesen wird auf einmal zu einer entscheidenden Schlüsselkompetenz.

Björn

Björn Ulber, Berater der GMP. Gesellschaft für Management-Psychologie GbR, ist Experte für die Methode des schnellen Lesens und hält im Interview spannende Tipps und Tricks für uns bereit. Viel Spaß beim LESEN.

E-Mails, Datenbanken, Social Intranets, Chats und so weiter – die Informationsflut im Arbeitsalltag nimmt ständig zu. Inwiefern kann die Technik des schnellen Lesens dabei helfen?

Durch die Technik des Schnellen Lesens kann eine deutliche Zeitersparnis bei mindestens gleichem oder verbessertem Textverständnis erreicht werden. Es gibt typische Lesefehler, die fast jeder von uns macht. Wenn man diese vermeidet und regelmäßig trainiert, kann die Methode des schnellen Lesens eine sehr wertvolle tägliche Praxis sein.

Oft ist uns gar nicht bewusst, dass Lesen zudem unterschiedlichen Aufgaben oder Zwecken dient. Je nach Aufgabe lassen sich die dafür Lesestrategien auswählen. Eine dieser Strategien ist es, die eigene Lesegeschwindigkeit je nach Leseziel bewusst anzupassen. Schneller Lesen heißt, im Mittel die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen. Textpassagen mit bekannten Wörtern und bekannten Formulierungen können unter Verwendung der erlernten Techniken deutlich schneller erfasst und verstanden werden. Sind in Textpassagen viele Fremdwörter oder neue Formulierungen, wie zum Beispiel komplizierte Gesetzesänderungen, müssen diese erst erlernt werden und die Lesegeschwindigkeit sinkt dadurch.

Schon gewusst: Schneller Lesen kann man direkt beim Lesen entdecken – zum Beispiel mit „Speed reading“ von Tony Buzan. Wer die Technik des schnellen Lesens aber richtig beherrschen will, sollte vom Buch in den Seminarraum wechseln. Björn Ulber vermittelt und trainiert im eintägigen Praxisseminar Techniken zur Verbesserung des Lesetempos um mindestens 25% bei gleichem oder verbessertem Textverständnis.

 

Welchen Tipp geben Sie denjenigen, die in kurzer Zeit viele Inhalte aufnehmen und auch behalten wollen, zum Beispiel in Lernsituationen?

Als Basis gilt es, die wichtigsten Lesefehler zu kennen, den Text adäquat und wiederholt durchzuarbeiten und vertiefende Lesestrategien einzusetzen.

Ein in der Regel begangener Lesefehler ist der zu enge Blickfokus. Im Leselernprozess mussten wir zunächst lernen, Buchstabe für Buchstabe und später Wort für Wort zu lesen. Daraus resultiert ein etwa 1 cm breiter Blickfokus, den die meisten von uns bis heute beibehalten haben. Dies begrenzt unsere Lesegeschwindigkeit immens, vor allem wenn man bedenkt, dass wir uns problemlos einen Blickfokus von 3 bis 4 cm aneignen und so mehrere Wörter gleichzeitig erfassen können.

Müssen Texte bestimmte Kriterien erfüllen, um möglichst schnell lesbar zu sein? Was sollen die Verfasser von Texten aus ihrer Erfahrung beachten?

Möglichst große Schrift (auch am Bildschirm), klare Struktur (kein Blocksatz) und Hervorhebungen (Fettgedrucktes, Kursivgedrucktes, indirekte Rede, farbliches Absetzen, Graphiken und Tabellen).

Zu schnelles oder ungenaues Lesen kann auch zu Missverständnissen, falscher Aufgabenerfüllung oder Fehlinterpretation führen, was sich wiederum negativ auf die Effizienz und Qualität auswirkt. Worauf sollten Mitarbeiter und Führungskräfte im Alltag achten, um das zu vermeiden?

Hierzu sollten wir einen Blick auf die Bedeutung des Ultrakurzzeitgedächtnisses bei der Vorbereitung eines Textes und der anschließenden vertiefenden Textbearbeitung (Lesen) werfen. Das Ultrakurzzeitgedächtnis oder Sensorisches Gedächtnis speichert neue Informationen über die Sinnesorgane für wenige Sekunden ab. Nur die für wichtig erkannten Informationen werden herausgefiltert und gelangen dann in das Kurzzeitgedächtnis. Wenn man sich dieser Wahrnehmungsfähigkeit bewusst ist und diese systematisch nutzt, kann man Textinhalte in Summe schneller verarbeiten, besser verstehen und mehr behalten.

Selbst wenn man den Text mit dieser Technik mehrmals bearbeitet, ist man insgesamt trotzdem deutlich schneller und kann mehr davon behalten, als wenn man den Text auf gewöhnliche Weise einmal konzentriert und genau durchlesen würde.

Im ersten Schritt schaut man sich jede Seite lediglich 10 Sekunden lang an. Danach werden Fragen zu dem Text generiert und der Text erneut gelesen. Durch die Fragen bereiten wir uns auf die Textinhalte vor und können bei nochmaligem Lesen wesentlich mehr behalten. Das Verständnis für das weitere Lesen, Verstehen und Behalten des Textes wird somit deutlich erhöht.