„Nachgefragt!“ – das Social Collaboration Tool der DATEV eG

TEIL 3: Veränderung durch Technologie – Lessons Learned und Ausblick

AviloX: Könnte „Nachgefragt!“ eine Vorstufe sein zu einer Partizipation der Mitarbeiter bei der Strategieentwicklung?

C. Buggisch: Das Tool taugt nicht unbedingt zur Strategieentwicklung, dafür steht der einfache Frage-Antwort-Mechanismus zu sehr im Vordergrund. Es gibt aber wertvolle Beiträge, die sicherlich auch in strategische Überlegungen einfließen. Auf jeden Fall werden durch das Tool auch größere Diskussionen angestoßen und Themen weiterentwickelt, obwohl es ursprünglich einfach nur als Fragetool gedacht war.

AviloX: Hat sich das Bild der Mitarbeiter bei den Führungskräften durch das Tool verändert?

C. Buggisch: Das kann man nicht allgemein beantworten. Mein Bild von den Mitarbeitern wurde bestätigt, denn wir haben bei uns eine große Vielfalt engagierter Mitarbeiter, die sich einbringen wollen. Es zeigt, dass es sich lohnt, die Mitarbeiter einzubeziehen, und zwar nicht nur in spezifische Fachthemen, sondern auch in strategische Überlegungen. Das Unternehmen kann davon nur profitieren.

AviloX: Würden Sie aus heutiger Sicht beim Einführungsprozess etwas anders machen?

C. Buggisch: Wir hatten ursprünglich vorgesehen, dass die Vorstände ihre Antworten in Form von kurzen Videobotschaften ins Intranet stellen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass viele Fragen sehr komplex sind. Dafür ist das Video das falsche Medium, so dass mittlerweile die meisten Antworten in Textform erfolgen und bei Bedarf mit anderen Medien verlinkt werden. Ansonsten ist die Einführung jedoch sehr gut gelaufen.

AviloX: Haben Sie in Ihrer eigenen Abteilung einen Rollenwandel im Zuge der Einführung von Social Media bemerkt?

C. Buggisch: Wir haben zum einen neue Rollen geschaffen, wie z.B. den Social Media Manager, der alle Aktivitäten in externen und internen Social Media-Kanälen controllt, steuert und weiterentwickelt. Auch das Rollenbild des Redakteurs hat sich verändert. Früher hat er beispielsweise nur für die Webseite Content erstellt. Mittlerweile schreibt er in Blogs oder moderiert Xing-Gruppen. Und wer früher Redakteur der Mitarbeiterzeitschrift war, betreut mittlerweile auch die interne Kommunikation im (Social) Intranet.

AviloX: Mussten Sie diesen Prozess des Rollenwandels gestalten?

C. Buggisch: Ja das mussten wir und müssen wir noch. Die Mitarbeiter müssen für die neuen Rollen qualifiziert werden und es braucht eine gewisse Übung. Aber auch die Organisation muss dafür fit gemacht werden, speziell in meiner Abteilung, dem Corporate Publishing. Hier wird der gesamte Corporate Content erzeugt, von Presales- zu Aftersales-Content, von Print-Kundenzeitschriften bis hin zu Social Media-Communities. Wir müssen die Organisation anpassen, um in der Lage zu sein, neue Medien, Kanäle und Technologien abzudecken und skalierbar zu sein. Denn auch die Kommunikations- und Medienwelt wird immer komplexer.

AviloX: Welche Entwicklungen haben Sie mit „Nachgefragt!“ noch vor?

C. Buggisch: „Nachgefragt!“ gibt es seit Juli 2013, es ist also ein noch relativ junges Tool. Uns ist daher wichtig, das Instrument erst mal stabil zu halten. Darüber hinaus denken wir aktuell darüber nach, wie wir mit Fragen umgehen, die nicht unbedingt durch den Vorstand beantwortet werden müssen. Wir denken an eine Art integrierte Frage- und Antwortplattform, bei der man sich beim Einstellen einer Frage schon entscheidet, ob sie direkt an den Vorstand gehen soll oder ob es sich um eine allgemeine Frage handelt, die auch innerhalb der Organisation beantwortet werden kann.

AviloX: Welche Tipps haben Sie für Personen, die ein vergleichbares Instrument einführen wollen?

C. Buggisch: Das Instrument bietet ganz viele Möglichkeiten, setzt aber auch Veränderungen in Gang. Es schafft einen neuen Weg der Kommunikation, es ist ein Seismograf und es beeinflusst die kulturelle DNA des Unternehmens. Sie haben es also auch mit einem möglichen Wandel der Unternehmenskultur zu tun und sollten daher unbedingt mehrere Stakeholder im Boot haben –angefangen von der Personalabteilung bis hin zum obersten Management. Hier braucht es eine enge Vernetzung.

Ansonsten gibt es keine pauschalen Lösungen. Jedes Unternehmen sollte für sich analysieren, welche Bedarfe vorhanden sind und welche Kommunikationsmittel es dafür schon gibt. Wenn schon eine Collaboration Plattformen wie SharePoint oder Connections etabliert ist, kann man möglicherweise auf einem anderen Stand aufsetzen als wir damals. Bei uns hatte „Nachgefragt!“ wirklich eine Leuchtturmfunktion, um interne soziale Medien bekannter zu machen und zu etablieren.

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Weiterführende Links:

DATEV-Blog

Blog von Christian Buggisch


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2 Gedanken zu „„Nachgefragt!“ – das Social Collaboration Tool der DATEV eG

  1. Pingback: Enterprise 2.0 – Social Media als Seismograph im Unternehmen | Christian Buggischs Blog

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