Social Business 2014 – Hype oder echte Chance?

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Überall ist die Rede von „Social Software“, „Facebook für Unternehmen“, „Intranet 2.0“ oder „Social Business“. Was aber steckt konkret hinter dem Trend? Sind soziale Technologien ein erfolgskritischer Faktor für Unternehmen in 2014 oder einfach ein neuer kurzer Hype? Für welche Unternehmen sind soziale Technologien überhaupt relevant und worauf kommt es an bei einer erfolgreichen Einführung?

Wir sprachen im dreiteiligen Interview mit dem Enterprise 2.0 Experten Andreas Schulze-Kopp über Trends und Entwicklungen von Social Business in Unternehmen.

 

TEIL 1: Zukunft Social Software – Hype oder echte Chance?

AviloX: Wann werden wir alle nicht nur privat, sondern auch in Unternehmen sozial vernetzt sein?

A. Schulze-Kopp: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der wichtigste Punkt ist aber, dass Unternehmen den Trend von Social Network mittlerweile nicht mehr als Nonsens ansehen. Es gewinnen im Grunde alle Beteiligten: der Mitarbeiter, der Kunde und alle anderen Anspruchsgruppen.

Viele Leute, die heute in der Schule und im universitären Umfeld starten, sind es gewohnt, auch virtuell zu kommunizieren, Dateien zu teilen und nicht Excel-Files oder Präsentationen durch die Gegend zu schicken. Der Druck auf die Unternehmen wird in Zukunft größer werden aufgrund dessen, was die neue Generation der Mitarbeiter erwarten wird.

AviloX: Interessanterweise sind wir privat zunehmend „connected“, bei der beruflichen Nutzung sozialer Netzwerke entstehen jedoch oft Widerstände. Wie schätzen Sie dieses Spannungsfeld ein?

A. Schulze-Kopp: Das ist ein Punkt, den Unternehmen berücksichtigen sollten. Viele vermeintliche Probleme werden eher aus Unwissenheit gesehen. Das prominenteste externe Beispiel ist hier wohl Facebook. Die Einstellungen zur Privatsphäre ändern sich beinahe täglich. Die Unsicherheit darüber, wer eingestellte Fotos und Inhalte sehen kann, erhöht bei vielen die Hemmschwelle zur Nutzung. Interessant ist aber, dass immer mehr Menschen Facebook mobil auf Tablets und Smartphones nutzen. Dass Unternehmen in die Richtung mobiler Anwendungen denken macht definitiv Sinn. Think mobile ist ein wichtiger Punkt für Softwarelösungen. Es erhöht die Attraktivität die Anwendungen zu nutzen.

AviloX: Wohin entwickeln sich soziale Technologien im beruflichen Umfeld? Sehen Sie neben Mobile noch andere Trends?

A. Schulze-Kopp: Ein Trend wird sein, dass viel mehr Unternehmen Social Software einführen werden und damit nicht zuletzt auf ihre Kunden reagieren. Wer mit Social Software zu tun hat, sollte aber nicht den Einsatz intern und extern trennen. Wer von interner Kommunikation spricht, sollte die externen Kanäle von Beginn an nicht außer Acht lassen und umgekehrt.

Nehmen wir zum Beispiel Telekommunikationsunternehmen wie die Telekom oder O2, die ihren Kundensupport auch über soziale Netzwerke steuern. Um das Ganze wieder mit dem Internen zusammenzubringen, müssen wir Folgendes bedenken: Auch intern müssen die notwendigen Strukturen und Skills vorhanden sein, um Social Media Services nach außen professionell zu nutzen. Wem es gelingt, den internen Austausch in sozialen Netzen zu fördern, der schult seine Mitarbeiter, auch extern über Twitter oder Facebook professionell zu kommunizieren. Das ist ein zentraler Faktor, wenn es um Kundenbindung und -entwicklung geht.

AviloX: In welchen Arbeitsbereichen wird das Thema Social Software denn wichtig sein?

A. Schulze-Kopp: Ich denke nicht, dass das Thema Social Software vor irgendwelchen Bereichen Halt machen wird. Interne Zusammenarbeit im Sinne von Social Business macht an allen Orten Sinn, wo man mit Wissen direkt zu tun hat und wo dieses Wissen auf die Straße zu bringen ist. Im Wissensmanagement besteht eines der wichtigsten Hauptziele von Social Software.

AviloX: Heißt das im Umkehrschluss, dass es auch ohne Social Intranet geht?

A. Schulze-Kopp: Es gibt sicher auch Unternehmen, wo es keinen oder weniger Sinn macht. Entscheidend ist aber aus meiner Sicht, nicht von vornherein zu sagen, dass ein Social Intranet nicht relevant für mein Unternehmen ist. Hierin sind andere Nationen unserer deutschen Mentalität voraus.

Man sagt zwar immer, Deutschland sei ziemlich weit vorn, was das Thema Social Business angeht, aber das ist vermutlich auf die Einführungsquote bezogen. Neben den Messungen quantitativer Größen, wie der Adoption Rate oder des Engagements der Mitarbeiter, ist die Qualität des Austauschs auf sozialen Plattformen entscheidend für den Erfolg eines Social Business Projektes.

AviloX: Gibt es Unternehmen oder Entscheider, die Sie als Innovatoren oder Early Adopter empfinden?

A. Schulze-Kopp: Die bekanntesten Vorreiter sind hierzulande u.a. BASF, Continental und auch die Hamm Reno Group. Diese Beispiele zeigen, dass es nicht unbedingt DIE Branche gibt, für die Social Software was ist. Jedes Unternehmen sollte sich zuerst orientieren und nicht von vorherein etwas ausschließen oder zusagen.

 

Lesen Sie in der nächsten Woche die Fortsetzung des Interviews zum Thema „Technologie trifft Unternehmenskultur – Fragen zur Einführung von Social Software“

Weiterführende Links:

Webseite von Andreas Schulze-Kopp rund um die Themen Enterprise 2.0, Social Business und Social Media

Top 17 Social Business & Social Media Predictions for 2014 by Pam Moore

Top 10 Intranet and Digital Workplace Predictions for 2014 by Paul Miller


AviloX unterstützt Organisationen im Wandel zum Enterprise 2.0. In unserem Interview-Blog zu vernetzten Arbeitswelten gehen wir mit unserem Netzwerk in den Dialog – zum Voneinander lernen, Tipps und Tricks zur Etablierung moderner Arbeitswelten austauschen und Wissen weiterentwickeln. Ob Social Collaboration, Wissensmanagement, Open Innovation, Social Learning oder Industrie 4.0 – gern begleiten wir auch Sie als kompetenter Partner auf Ihrem Weg zum Enteprise 2.0. Mehr über uns erfahren Sie hier.


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Über Regina Köhler

Gründerin und Inhaberin von AviloX. Zehnjährige Führungs- und Beratungserfahrung bei strategischen Veränderungsprozessen in Mittelstand und Konzernen. Vereinigt einen Sinn für einfache, pragmatische Lösungen mit einer Leidenschaft für technologische Trends und ausgeprägter Inspirationsgabe. Als Mutter zweier Kinder und Volleyballerin hegt sie besonderes Interesse für moderne Formen der Kompetenzentwicklung.