Social Business 2014 – Technologie trifft Unternehmenskultur

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Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Interview-Reihe mit dem Enterprise 2.0 Experten Andreas Schulze-Kopp wollen wir darauf eingehen, worauf es bei der Einführung von Social Software besonders ankommt.

Letzte Woche sind wir im ersten Teil der Interview-Reihe der Frage nachgegangen, ob soziale Technologien einen erfolgskritischen Faktor für Unternehmen in 2014 darstellen oder ob sie einfach nur ein vorübergehender Hype sind. Hier können Sie Teil 1 „Social Business 2014 – Hype oder echte Chance“ noch einmal lesen.

TEIL 2: Technologie trifft Unternehmenskultur – Fragen zur Einführung von Social Software

AviloX: Sehen Sie in sozialer Technologie das Potenzial, Unternehmenskulturen zu verändern?

A. Schulze-Kopp: Technologie hat auch was mit Unternehmenskultur zu tun. Mit einem Social Business Projekt kommt die Kultur, die aktuell in einem Unternehmen herrscht, oft erstmal zu Tage. Viele Unternehmen beschäftigen sich heute schon mit ihrer Kultur, unabhängig von der Einführung von Social Business Software. Genau das sollte auch einer der ersten Schritte sein, wenn man mit einem Social Business Projekt startet. Die Frage ist ja: Können und wollen meine Mitarbeiter damit überhaupt umgehen?

AviloX: Was wiegt denn allgemein schwerer für den Erfolg von Social Business: Technologie oder Kultur?

A. Schulze-Kopp: Technologie ist automatisch ein Thema, da der IT-Bereich eine entsprechende Infrastruktur mit zur Verfügung stellen muss. Der Anteil der Unternehmenskultur am Erfolg der Einführung ist allerdings wesentlich höher. Ein Tool ist relativ schnell ausgewählt, da die Funktionalitäten der verschiedenen Anbieter weitgehend identisch sind. Dann bleibt für die IT nur noch zu klären, welche Schnittstellen und Integrationsmöglichkeiten zwischen der neuen und der bestehenden Software möglich sind.

Die wesentlich langfristigere und schwierigere Aufgabe ist der Kulturwandel, wobei Change Management hier nur das Vehikel ist. Es gelingt nicht, Menschen zu begeistern oder zu überzeugen, wenn sie keinen persönlichen Vorteil von Social Software in ihrer täglichen Arbeit haben und erkennen.

AviloX: Sehen Sie also im subjektiv wahrgenommenen Nutzen den zentralen Aspekt, um Akzeptanz zu erzeugen?

A. Schulze-Kopp: Ich würde ja Facebook auch nicht nutzen, wenn ich nichts davon hätte. Wenn ich Social Software nutzen soll, muss sie mich in meiner täglichen Arbeit unterstützen.

AviloX: Es gibt ja Branchen, in denen natürlicherweise mehr kommuniziert wird. Fällt es dort leichter,  Einführungsprozesse umzusetzen, ohne dass man sie mit Change Management begleiten muss?

A. Schulze-Kopp: Genau diese Affinität der Unternehmen und auch der Geschäftsführung hat bereits Einfluss auf den Erfolg von Einführungsprozessen.

Wir bei HIRSCHTEC besprechen jede Woche gemeinsam mit der Geschäftsführung, wie unsere Social Tools konkret in der Kommunikation und Projektarbeit eingesetzt und verbessert werden können. Da gehen bestimmte Umstellungen schneller, sind selbstverständlicher. Viele Probleme treten gar nicht auf. Wenn der Mitarbeiter sieht, dass der Chef freitags den aktuellen Status statt in einer E-Mail in Yammer postet, dann schaut er positiver auf Social Software.

AviloX: Dann ist es also eine wichtige Voraussetzung, damit es überhaupt funktioniert, dass es von oben nicht nur ein Billigen und Unterstützen gibt, sondern ein Mitmachen und Vorleben?

A. Schulze-Kopp: Der Idealfall ist es natürlich, wenn in der Geschäftsleitung jemand sagt: „Ich habe mir das angesehen und kann mir vorstellen, dass das im Bereich A, B oder C von Vorteil für uns ist und dass das nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch dem Unternehmen was bringt.“

AviloX: Gibt es auch andere Aspekte, um Akzeptanz im Einführungsprozess zu erzeugen?

A. Schulze-Kopp: Es geht nichts über gute Beispiele. Wenn man beispielsweise im Kleinen startet, in ein bis zwei Teams, die nach den ersten Monaten sagen „das ist super, wir arbeiten gern damit und zwar aus dem und dem Grund“ oder „wir haben durch die Nutzung der neuen Social Software für die Entwicklung des neuen Produkts 50% weniger Zeit gebraucht“, kann das eine enorme Signalwirkung haben. Diese Leuchtturmprojekte sind es, die intern dazu führen, dass die Akzeptanz steigt. Mitarbeiter überreden zu wollen ist oftmals sinnlos. Aus meiner Sicht gibt es drei zentrale Aspekte, um Mitarbeiter abzuholen, zu begeistern und zu überzeugen: Vorbildfunktion, geeignete Use-Cases und Leuchtturmprojekte.

AviloX: Was sind aus Ihrer Sicht die primären Sorgen und Ängste von Mitarbeitern und Entscheidern, die dem Umsetzungsprozess entgegenstehen.

A. Schulze-Kopp: Ein Hemmnis ist bestimmt die Angst vor Information-Overload, was aber oft durch Unwissenheit geschürt wird. Man kann die technologischen Möglichkeiten wunderbar nutzen, um die Informationsflut zu kanalisieren und für sich zu filtern. Man muss eben nicht mehr alles lesen, man kann besser selektieren. Das ist der Riesenvorteil von Social Software.

AviloX: Gibt es andere Hemmnisse, die Sie auf Entscheiderebene sehen?

A. Schulze-Kopp: Natürlich ist es bei vielen Unternehmen auch der Aspekt, dass es Geld kostet und im ersten Moment keinen offensichtlichen Benefit bringt. Der Gewinn wird erst in der Langfristbetrachtung sichtbar, die sich aber viele Unternehmen nicht leisten können, da sie nur in Quartalen denken.

Dabei sollten sich gerade diese Unternehmen ruhig mal einen längeren Atem leisten. Social Software bringt einige offensichtliche Vorteile, wenn die Einführung erfolgreich umgesetzt wird: eine bessere Arbeitsorganisation, zufriedene Mitarbeiter, weniger Fehlzeiten, schnellere Bearbeitungszeiten, schnellere Entwicklungszyklen von Produkten, etc. Das ist alles darauf zurückzuführen, dass die Menschen virtuell vernetzt miteinander arbeiten, im Übrigen auch bei Bedarf mit Externen.

Lesen Sie in der nächsten Woche die Fortsetzung des Interviews zum ThemaWork-Life-Balance trotz Social Software„.

Weiterführende Links:

Webseite von Andreas Schulze-Kopp rund um die Themen Enterprise 2.0, Social Business und Social Media

Einführung von Social Media in Unternehmen – mit Change Management kulturelle Barrieren überwinden


AviloX unterstützt Organisationen im Wandel zum Enterprise 2.0. In unserem Interview-Blog zu vernetzten Arbeitswelten gehen wir mit unserem Netzwerk in den Dialog – zum Voneinander lernen, Tipps und Tricks zur Etablierung moderner Arbeitswelten austauschen und Wissen weiterentwickeln. Ob Social Collaboration, Wissensmanagement, Open Innovation, Social Learning oder Industrie 4.0 – gern begleiten wir auch Sie als kompetenter Partner auf Ihrem Weg zum Enteprise 2.0. Mehr über uns erfahren Sie hier.


Bildnachweis: brandtmarke  / pixelio.de

Über Regina Köhler

Gründerin und Inhaberin von AviloX. Zehnjährige Führungs- und Beratungserfahrung bei strategischen Veränderungsprozessen in Mittelstand und Konzernen. Vereinigt einen Sinn für einfache, pragmatische Lösungen mit einer Leidenschaft für technologische Trends und ausgeprägter Inspirationsgabe. Als Mutter zweier Kinder und Volleyballerin hegt sie besonderes Interesse für moderne Formen der Kompetenzentwicklung.